Wissenswertes zum Glasfaserausbau

Auf dieser Seite möchten wir auf einige lokale Gegebenheiten im Neckar-Odenwald-Kreis und generelle Unwägbarkeiten, weshalb der Glasfaserausbau bisher nicht schneller voran ging, eingehen.

Für Auskenner: 20 gute Gründe für Glasfaser und FTTH im NOK

Digitaler Strukturwandel in Deutschland

Auch in Deutschland schreitet der digitale Strukturwandel mit rasender Geschwindigkeit voran. Schulen, Unternehmen und Hotels haben bereits heute schon große Schwierigkeiten mit dem schleppenden Breitbandausbau in Deutschland.

Die folgende Grafik zeigt Deutschland im Vergleich mit anderen OECD-Staaten:

Unternehmen und Privathaushalte sind auf einen Glasfaseranschluss angewiesen, wenn sie zukünftig verstärkt Home Office Anwendungen anbieten und in Anspruch nehmen möchten oder auf digitale Kommunikation mit Kunden und anderen Standorten setzen.

Auch für Privathaushalte wird die Uploadgeschwindigkeit in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen. Ob Videotelefonie, Backups, zur Vorsorge vor Datenverlust oder Hackerangriffen, oder dem zügigen Austausch von Dateien. Die Uploadgeschwindigkeit wird maßgeblich an Bedeutung gewinnen. Mit VDSL ist keine Steigerung der Uploadgeschwindigkeit über 40 Mbit/s mehr möglich.

Als Landkreis mit vielen anerkannten Naherholungsstätten, Rad- und Wanderwegen, sowie Tagungsorte für Unternehmen, ist ein flächendeckender Glasfaserausbau, auch im Hinblick auf die lokale Wirtschaft mehr als wünschenswert.
Durch den Ausbau leistungsfähiger Infrastruktur, gewinnt der Landkreis einen erheblichen Standortvorteil und steigert die Attraktivität für Unternehmen und junge Familien.

Viele unserer Nachbargemeinden im Rhein-Neckar-Kreis haben sich bereits erfolgreich für den Glasfaserausbau entschieden. Dort baut die BBV das Glasfasernetz jetzt aus. Zu den Gemeinden gehören Epfenbach, Eschelbronn, Helmstadt-Bargen mit Flinsbach, Meckesheim, Mönchzell, Neckarbischofsheim, Reichartshausen, Spechbach, Waibstadt und Zuzenhausen.

Digitalisierung der Schulen

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat im Zuge der „Offensive Digitales Klassenzimmer“ ermittelt, dass eine Schule je Klassenzimmer mindestens 30 Mbit/s bereitstellen sollte. Nur so kann ein wirklich digitaler Unterricht gelingen.

Eine Schule mit 8 Jahrgängen und 3 Klassen je Jahrgang, käme somit bereits auf einen Gesamtbedarf von 720 Mbit/s. Das ist mit einem VDSL Anschluss schlicht nicht möglich.
Selbst für eine Grundschule mit 4 Jahrgängen und 2 Klassen je Jahrgang wären bereits 240 Mbit/s notwendig.

Der Landkreis setzt sich seit Ende des Vectoring Ausbaus im Jahr 2018 für einen geförderten Glasfaseranschluss für Schulen und Gewerbegebiete ein. 2019 musste ernüchternd festgestellt werden, dass sich trotz einer Förderquote von 90 % kein einziger Netzbetreiber auf den Ausbau der Schulen beworben hat. Ohne Glasfaseranschlüsse an Schulen ist eine vernünftige digitale Bildungsstrategie nicht umsetzbar.


Vergleich der Kosten von BBV und Telekom

toni basic

  • 100 Mbit/s im Download
  • 100 Mbit/s im Upload
  • Internet Flat
  • Telefonie Flat ins deutsche Festnetz
  • Preis: 45 Euro pro Monat

Magenta Zuhause L

  • bis zu 100 Mbit/s im Download
  • bis zu 40 Mbit/s im Upload
  • Internet Flat
  • Telefonie Flat ins deutsche Festnetz
  • Preis: 44,95 Euro pro Monat

Alle Kosten im Überblick


Warum Glasfaser wenn 100 Mbit/s vorhanden sind?

Um Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s mit Vectoring nutzen zu können, muss ein sehr breitbandiges Frequenzspektrum genutzt werden, das deutlich anfälliger für äußere Einflüsse, wie natürliche Beeinflussungen in der Umwelt, defekte Netzteile oder Powerline Lösungen ist.

Sind Übertragungsraten von 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload noch bis wenige hundert Meter mit VDSL realisierbar, reduziert sich die Leitungslänge bei 250 Mbit/s im Download meist jedoch schon auf weniger als 100 Meter bis zum Endkunden.

Glasfaserleitungen können Geschwindigkeiten von mehr als 10 GBit/s problemlos über 20 Kilometer übertragen. Da Lichtwellenleiter keine elektromagnetischen Signale transportieren, sind Störungen durch Umwelteinflüsse, auch auf Distanzen von hunderten von Kilometern, ausgeschlossen. Durch verschiedene Farbspektren kann eine einzige Glasfaser auch noch viel höhere Datenraten übertragen.

Eine neu verlegte Leerrohrinfrastruktur ermöglicht das Ersetzen von Glasfasern ganz ohne Bauarbeiten, sollten in vielen Jahren aufgrund weiter steigendem Bandbreitenbedarfs neue Glasfasern benötigt werden sollten.

Hohe Anfangsinvestition für Netzbetreiber

Der Ausbau von FTTH-Infrastruktur, der in diesem Fall sogar Privathaushalte umfasst, ist im ländlichen Raum alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Jeder im Neckar-Odenwald-Kreis sollte sich dieser Chance bewusst werden.

Der initiale Ausbau von Glasfaserinfrastruktur bis in die Häuser (FTTB/FTTH) ist mit enormen Kosten verbunden, da alle Straßen aufgerissen und zusätzlich die Leitungen bis in jedes einzelne Haus verlegt werden müssen.
Es genügt nicht, wie das beim Vectoring Ausbau geschieht, die Glasfaser bis an die grauen Kästen in den Straßenrändern zu verlegen und danach auf das bestehende Kupfernetz zurück zu greifen.

Ein Glasfaserausbau für ganz Deutschland kostet nach Schätzungen der Telekom 70 bis 80 Milliarden Euro und würde mindestens 15 Jahre dauern.
Einige lokale Versorger haben schon seit 2002 die Wichtigkeit von FTTB-Infrastruktur erkannt und den Ausbau in Testgebieten vorangetrieben.
Die Telekom selbst hat bis 2010 nur absolut notwendige Investitionen in ihr Netz getätigt und ab 2010 langsam mit dem Ausbau von VDSL begonnen. Dieser Ausbau ist für die Telekom deutlich kostengünstiger. Für viele Kunden jedoch ärgerlich, da die versprochenen Bandbreiten nur im Nahbereich, um die grauen Verteilerkästen, erreicht werden.
Mit steigender Tendenz zum Home Office, Backups und dem Betrieb von Private Clouds in Privathaushalten und Unternehmen wird eine symmetrische Up- und Downloadgeschwindigkeit immer wichtiger. Mit Vectoring ist technologisch bedingt keine solche Symmetrie zu erreichen.

Die Telekom hat sich in den vergangenen Jahren nach Kräften bemüht, das Thema FTTB so weit wie möglich aus der öffentlichen und politischen Debatte zu verdrängen.
Dass nun ein Netzbetreiber den ganzen Neckar-Odenwald-Kreis mit dieser kostenintensiven Technologie ausstatten möchte, sollte als große Chance für Privathaushalte und Unternehmen begriffen werden.

Ein in den Medien leider wenig beachtetes Interview der Telekom zeigt die Strategie sehr deutlich. Die Telekom erkennt an, dass nur FTTB eine zukunftssichere Technologie darstellt, möchte den kostengünstigen Vectoring Ausbau jedoch so lange wie möglich durchführen.
Nach Abschluss des Vectoring Ausbaus sollen keine größeren Investitionen in den FTTB Ausbau gesteckt werden, sondern auf Reparaturmaßnahmen an Straßen und bestehender Infrastruktur gewartet werden, mit denen neue Leerrohre kostengünstig mitverlegt werden können.
Bis mit diesem Konzept ein Großteil der Bevölkerung erreicht wird, werden viele Jahre vergehen. Man stelle dieser Strategie nur einmal die 15 Jahre gegenüber, die für den Ausbau veranschlagt wären, wenn die Telekom initiativ ausbauen würde.



Debattenbeiträge

Weitere Informationen und Gründe zum Glasfaserausbau bei der BBV

2 Antworten

  1. Karl Döbert sagt:

    Wie oft kommt es vor, dass defekte Netzteile gefährliche Strahlen absondern?
    Kommt ein Glasfaseranschluss ohne ein Netzteil aus?

    • hdrk sagt:

      Gefährliche Strahlen sondert kein Netzteil ab. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass es durchaus öfters vorkommt, dass VDSL Signale durch kaputte oder günstige Netzteile, von beispielsweise LED Lampen, stark beeinträchtigt werden können. Eine Statistik wie oft dies vorkommt kenne ich jedoch nicht.
      Ein Glasfaseranschluss kommt bis zum Glasfaserabschlusspunkt ohne Netzteil aus. Für die Umsetzung der Lichtwellen auf elektromagnetische Signale wird jedoch aktive Technik gebraucht.

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