Unternehmensstruktur der BBV

Vielen Interessenten wird der Name Breitbandversorgung Deutschland GmbH wenig geläufig sein. Tatsächlich wurde das Unternehmen erst 2015 gegründet. Im Folgenden soll die Struktur der Gesellschaft, sowie deren Investoren beleuchtet werden. Wir haben die Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammen getragen, können jedoch keine Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit geben.

Struktur der Gesellschaft

Neben Manfred Maschek wurden im September 2020 auch auch Frank Bonnemeier und Dr. Gerhard Kreitl in die Geschäftsführung berufen. Sowohl Herr Maschek, als auch die neu bestellten Geschäftsführer Bonnemeier und Dr. Kreitl bringen laut ihrer Vita langjährige Erfahrung in Führungspositionen in der Telekommunikationsbranche mit.

Die BBV Deutschland GmbH operiert im Bundesgebiet über regionale Tochtergesellschaften. Die Tochtergesellschaften sind weiter in eine Gesellschaft zum Betrieb des Netzes und eine Gesellschaft zum Vertrieb der Dienste aufgeteilt.
Diese Aufteilung ist aus der Energieversorgerbranche bekannt und wird dort „Unbundling“ genannt. Generell soll damit erreicht werden, dass der Betrieb der Netzinfrastruktur vom Endkundengeschäft getrennt wird, um das Netz wettbewerbsneutral auch an konkurrierende Unternehmen vermieten zu können. Durch das klare Bekenntnis der BBV Deutschland GmbH, ihre Netze auch für Mitbewerber zu öffnen („Open Access“), liegt es für uns nahe, dass mit diesem Modell eine ähnliche Trennung erfolgen könnte. Durch die Beteiligung von institutionellen Investmentfonds ergibt sich hier noch eine Besonderheit, auf die im Bereich Investoren eingegangen wird.

Für den Neckar-Odenwald-Kreis gibt es nun also folgende Gesellschaften der BBV:

  • Breitbandversorgung Neckar-Odenwald GmbH – Planung und Betrieb des Netzes
  • Breitbandversorgung Neckar-Odenwald Kunden GmbH – Vertrieb der Endkundenprodukte
  • Breitbandversorgung Neckar-Odenwald Infrastruktur GmbH & Co. KG – Inhaberin der passiven Netzinfrastruktur (Leerrohre)

Investoren

In den vergangenen Jahren hat die BBV Deutschland GmbH drei große und namhafte institutionelle Investmentfonds für sich gewinnen können. Die Fonds verwalten ein Volumen ab 500 Millionen Euro und richten sich an institutionelle Anleger, wie Versicherungen und Pensionsfonds. Laut Eigenbeschreibung haben die Fonds zum Ziel, langfristige Investitionen in (passive Kommunikations-) Infrastruktur in Europa zu tätigen. Besonders im Vordergrund stehen dabei ländliche und unterversorgte Regionen. Passive Kommunikationsinfrastruktur bedeutet hierbei, dass ein Fond in die Leerrohrnetze investiert und diese dann langfristig an ein Unternehmen, wie die BBV verpachtet, welches die Netzplanung, den technischen Betrieb und die Vermarktung der Endkundenprodukte übernimmt. Im konkreten Fall gibt es drei wichtige Beteiligte:

Die Primevest Capital Partners, ist oder war mit ihrem Communication Infrastructure Fund wahrscheinlich größter Investor in die passive Infrastruktur, die die BBV plant und ausbaut. Eventuell wird dieser Fond Hauptbegünstigter der „Breitbandversorgung Neckar-Odenwald Infrastruktur GmbH & Co. KG“ werden. Nach dem Einstieg von Infracapital kommt jedoch auch der Infracapital Partners III Fund in Frage.

Gründung

Bis Mitte 2020 war die RiverRock European Capital Partners LLP Hauptanteilseignerin der BBV Deutschland GmbH. In der Vergangenheit wurde aus unserer Sicht mehrfach gezeigt, dass RiverRock langfristiges Interesse am Erfolg der BBV Deutschland GmbH hat.

In Römerberg bei Speyer hat RiverRock 2014 den ersten Anlauf zur Investition in den Ausbau eines Glasfasernetzes gestartet. Durch falsche Finanzplanung und Misswirtschaft verschiedener Beteiligter des damalig verantwortlichen Unternehmens, konnte dieses Projekt initial nicht abgeschlossen werden. RiverRock hat sich jedoch nicht zurückgezogen, sondern zusammen mit Herrn Maschek, acht Mitarbeitern des ersten Unternehmens und weiteren neuen Mitarbeitern einen Neustart versucht, der geglückt ist. Mittlerweile ist Römerberg durch die BBV versorgt. Ein Nachfolgeprojekt, dass kurz vor dem Abschluss steht, ist die flächendeckende FFTH-Infrastruktur in Bretten, sowie der Ausbau vieler Ortschaften um Sinsheim.

Einstieg von Privatinvestoren

Weiterhin sind 2018 zwei Privatinvestoren hinzugekommen:

  • Gustav Egger – Deutsche Beteiligungs AG
  • Stefan Franssen – investment42 GmbH

Verkauf an Infracapital

Am 30. Juni 2020 gab Infracapital (eine Geschäftsbezeichnung der European infrastructure Division zweier Tochterunternehmen der M&G International Investments Ltd) die Übernahme der BBV Deutschland GmbH von der RiverRock European Capital Partners LLP bekannt.

Infracapital investiert in ganz Europa in Infrastrukturprojekte, wie Wasser, Gas, Strom und Kommunikationsnetze. Der Infracapital Partners III Fund ist auf Investitionen in „Brownfield“-Projekte ausgerichtet. Im Fall von Glasfasernetzen bedeutet dieser Begriff, dass bei Ausbauprojekten teilweise auf bereits bestehende Lehrrohrinfrastruktur zurückgegriffen werden kann, was die Wirtschaftlichkeit erhöht.

Unserer Einschätzung nach wirkt sich dieser Wechsel der Hauptanteilseignerin positiv auf die zukünftige Ausrichtung der BBV Deutschland GmbH und ihrer Projekte aus. Während das Portfolio des European Opportunities Fund der RiverRock LLP kleine und mittelständische Unternehmen aus verschiedensten Branchen versammelt, konzentriert sich Infracapital ausschließlich auf europäische Infrastrukturprojekte. Infracapital bringt somit viel Erfahrung im Aufbau von Infrastruktur mit und steht der BBV Deutschland GmbH beratend zur Seite.

Fazit

Es steht außer Frage, dass ein Projekt in diesem Ausmaß ohne finanzstarke Investoren oder enorme staatliche Investitionen nicht umsetzbar ist. Uns ist natürlich bewusst, dass die beteiligten Gesellschaften Renditen erwirtschaften möchten und nicht aus gemeinnütziger Sicht agieren.

Der generell starke Wettbewerb im Festnetzbereich und die gute Ausgangslage im Neckar-Odenwald-Kreis lassen jedoch nicht erwarten, dass es zu steigenden Preisen kommen wird. Eher das Gegenteil wird der Fall sein, da der Preisdruck durch die bestehenden Vectoringnetze der Telekom bleibt und mit dem klaren Bekenntnis zum „Open Access“-Modell auch im Glasfasernetz der BBV Reseller, wie z.B. 1&1, zum Zuge kommen können.



Quellen: