Schulen ans Netz? Stolperfalle Breitband.

Eine Bildungsstrategie unter Einbeziehung digitaler Lösungen für Schüler war lange Zeit nur ein Randthema. Dies änderte sich im Jahr 2018, als der „DigitalPakt Schule“ des BMBF vorgestellt wurde, der Schulen mit Technik und Geräten für Schüler ausstatten soll.

Im gleichen Jahr wurde durch die „Offensive Digitales Klassenzimmer“ des BMVI reichlich spät festgestellt, dass die verfügbaren Bandbreiten für eine digitale Lehre gar nicht geeignet sind. Es wurde ermittelt, dass eine Schule je Klassenzimmer mindestens 30 Mbit/s zur Verfügung stellen sollte.
Bei 25 Schülern pro Klasse stünden jedem Schüler somit 1,2 Mbit/s zur Verfügung. Hierbei ist der Lehrer noch nicht eingerechnet. Mit dem aktuellen Vectoring-Ausbau ist selbst diese Grundversorgung nicht zu erreichen.

Aktuell werden Fördermittel aus dem „DigitalPakt Schule“, selbst bei vorhandenem Medienkonzept, oftmals nicht bewilligt, da die Schulen die benötigte Anbindung, mangels Glasfaseranschluss, gar nicht bereitstellen können. Die damit verbundenen Probleme hat Golem im Artikel Schulen bemühen sich vergeblich um Geld aus dem Digitalpakt zusammengefasst.

Im Folgenden möchten wir die vergleichsweise frühzeitigen Bemühungen unseres Landkreises für einen flächendeckenden Breitbandausbau chronologisch ordnen und auf den aktuellen Status im Kreis aufmerksam machen.

2008

begann der Neckar-Odenwald-Kreis in engem Schulterschluss mit den Städten und Gemeinden ein Projekt zum Aufbau erster Glasfaserstrecken im Landkreis. Bundesweit galt dieses sogar als Best-Practice-Beispiel im ländlichen Raum. Bis 2012 wurden 11 Millionen Euro in 155 km Glasfaserleitungen investiert, die eine Grundversorgung von 16 Mbit/s ermöglichten.

2015

hat der Neckar-Odenwald-Kreis die erste Ausschreibung für einen kreisweiten, flächendeckenden Breitbandausbau mit Vectoring Technologie bekannt gegeben. Die Ausschreibung wurde durch eine Komplettmeldung der Deutschen Telekom erfolgreich beendet. Die Deutsche Telekom investierte in den Jahren 2016 bis 2018 insgesamt 36 Millionen Euro in den Vectoring-Ausbau im Landkreis, der Geschwindigkeiten zwischen 30 und 100 Mbit/s ermöglicht. Die Investition wurde mit 9,6 Millionen Euro durch den Kreis und die Kommunen bezuschusst.

2018

wurde der Vectoring-Ausbau erfolgreich abgeschlossen und der Neckar-Odenwald-Kreis war damit der erste Kreis in Baden-Württemberg der flächendeckend mit mindestens 30 Mbit/s ans Internet angebunden war.

Ebenfalls 2018 wurde auch der Bundespolitik klar, dass ein Vectoring-Ausbau kein tragfähiges Modell für die Zukunft ist. Daraufhin gab das Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis die Direktive „Glasfaser bis in jedes Haus“ bekannt. Durch Fördermittel des Bundes war es noch im selben Jahr möglich, in sämtliche Planungsarbeiten die Verlegung von Glasfaserinfrastruktur mit einzuplanen.

Juni 2019

erhielt der Kreis eine Förderung über 15,75 Millionen Euro aus Bundesmitteln für den Glasfaserausbau von Schulen und Gewerbegebieten.

Wie die RNZ berichtete zeigte sich Landrat Dr. Achim Brötel in einer ersten Stellungnahme begeistert: „Der Zuschuss ist die höchste Summe, die in den letzten Jahren für ein einzelnes Projekt in den Neckar-Odenwald-Kreis geflossen ist. Der Glasfaserausbau kann damit nun mit unverminderter Geschwindigkeit weitergehen. Und: Natürlich orientieren wir uns dabei auch weiterhin an der Lichtgeschwindigkeit.“

Juli 2019

veröffentlichte das Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis die Ausschreibung zum geförderten Ausbau der Glasfaserinfrastruktur für alle Schulen und Gewerbegebiete im gesamten Kreis. Durch die bereits bewilligte Fördersumme von 15,75 Millionen Euro aus Bundesmitteln und weiteren in Aussicht gestellten 12,6 Millionen Euro aus Landesmitteln herrschte große Euphorie bei Gewerbetreibenden und Schulträgern.

August 2019

brachte den ersten Rückschlag. Auf die Ausschreibung, die eine Förderquote von fast 90 % in Aussicht stellte, hat sich kein einziger Netzbetreiber auf die gesamte Ausschreibung beworben. Lediglich ein Netzbetreiber hat sich auf einen teilweisen und überteuerten Ausbau der Gewerbegebiete beworben.

Februar 2020

bekam der Neckar-Odenwald-Kreis auch die Fördersumme über 12,6 Millionen Euro aus Landesmitteln final zugesprochen. Aufgrund der fehlgeschlagenen Ausschreibung konnten die bereitstehenden Fördermittel jedoch nicht für den beantragten Zweck eingesetzt werden.

März 2020

kam mit der BBV Deutschland GmbH ein Netzbetreiber auf den Neckar-Odenwald-Kreis zu und vereinbarte mit dem Kreis einen vollständig eigenwirtschaftlichen, kreisweiten Komplettausbau unter der Marke „toni“ zu wagen, der für die allermeisten Bürger auch noch fast ohne Kosten daherkommt.

Mit finanzkräftigen institutionellen Investoren, die sich in Zeiten von Niedrigzinsen auch auf niedrigere langfristige Renditen einlassen, kann die BBV den insgesamt ca. 110 Millionen teuren kreisweiten Glasfaserausbau umsetzen.

Dass die Fördermittel im aktuellen Ausbauplan nicht genutzt werden, ist den Förderrichtlinien geschuldet, die eine Kombination aus gefördertem und eigenwirtschaftlichem Ausbau nicht vorsehen. Nur wenn sich kein Anbieter freiwillig erklärt, dürfen Fördermittel genutzt werden.

Nun ist es an uns allen

diese, aus unserer Sicht, einmalige Chance zu nutzen und FTTH-Infrastruktur, nicht nur für Schulen und Gewerbegebiete, sondern im besten Fall für alle Gemeinden im Landkreis zu erhalten! Auf der Seite Status haben wir die benötigte Vertragsanzahl je Gemeinde im Kreis aufgeschlüsselt.

Der Glasfaserausbau ist ein Gemeinschaftsprojekt und kann auch nur als solches gelingen. Wer bereits heute einen 100 Mbit/s Vertrag der Telekom hat, dem entstehen, auch mit Aktivierungsgebühr, fast keine Mehrkosten. Auch bei einem Vertrag der Telekom mit 50 Mbit/s entstehen bei einem Wechsel, inklusive Hausanschluss, nur Mehrkosten in Höhe von 6 Euro pro Monat. Weitere Informationen zu allen Kosten haben wir auf der Seite Kosten zusammengestellt.

In diesem Sinne wünschen wir allen Interessenten und vor allem unseren Schulen und Gewerbetreibenden gutes Gelingen und eine Zukunft im Gigabit-Zeitalter!

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